Review vom 3D-Drucker Anet 4

Review vom 3D-Drucker Anet 4

Lukas hat mir einen weiteren Testbericht zugesendet. Nachdem er in seinem ersten Review sich den EasyThreed Nano näher angeschaut hat, beleuchtet er hier den neuen 3D-Drucker von Anet, genauer gesagt den Anet ET 4In diesem Bericht findest du seine persönliche Einschätzung zu diesem 3D-Drucker.


Anet. 


Ein ziemlich berühmter Name in der 3D Druck Welt. Viele die Anet hören denken direkt an den ersten bekannten Billigdrucker Anet A8. Einer der meist verkauften Privat 3D Drucker, den es überhaupt gibt. Jedoch wies dieses Gerät erheblich viele und auch gefährliche technische Mängel auf, welche oft einen Brand der Maschine zur Folge hatten. 


Schlagzeilen von abgebrannten Wohnungen überschlugen sich und der Name dieser Firma kam ziemlich in Verruf.


Doch anscheinend versuchen Anet jetzt mit ihrem neusten Gerät mit dem Kapitel abzuschließen und ihren Ruf zu verbessern.


Warum ich denke, dass das folgende Gerät zwar ein netter Versuch war, Anet dennoch viele Chancen vertan hat erfahrt ihr jetzt.


​Ausstattung


​Vom Anet ET4 existieren 2 Versionen.

Einmal eine recht laute Version, welche ich zum testen zur Verfügung gestellt bekommen habe, und eine leise Version mit TMC Stepper Driver. Der Aufpreis für die leise Version sind derzeit 20€.


Der Druckraum ist mit 220 × 220 × 250 mm. Das absolut plane und beheizte Druckbett mit  Glas hat eine erstaunlich gute Haftung. Dank eines ansteckbaren Sensors ist automatisches Leveling möglich. Das ist zwar nicht so komfortabel wie mit einem fest installierten Sensor aber für den Preis vollkommen OK.


Ein Filament-Sensor erkennt, falls das Filament reißt oder zu Ende geht. Der Druckvorgang wird dann pausiert und kann nach dem Auffüllen fortgeführt werden…. Sollte er jedenfalls. Mehr dazu später.


Auch nach einem Stromausfall setzt der ET4 den Druckauftrag üblicherweise ohne (große) Probleme fort.


Im Internet findet man leider derzeit kaum Informationen über die Komponenten, die verwendet wurden. Deswegen hab ich mich dazu entschieden die Bodenplatte zu entfernen und nachzusehen.

Der Drucker ist ein 24V System, betrieben von einem Chinesischen 240W Netzteil.

Verbaut wurde ein selbst entwickeltes Board mit einem 32 Bit Prozessor.

​Der Touchscreen ist ebenfalls eine Eigenentwicklung von Anet. Das User Interface ist sehr performant und simpel.

Aufbau und Inbetriebnahme


Der Drucker kam ordentlich gepolstert und verpackt bei mir an. Im Karton befanden sich das vormontierte Unterteil inklusive Druckbett, die vormontierte Z-Achse und der montierte Druckkopf.


Außerdem lagen eine Tüte mit Schrauben, Werkzeug, Micro-SD-Speicherkarte und 10 Meter weißes PLA-Filament bei, zudem ein Spulenhalter und ein Kaltgerätekabel. Die Aufbauanleitung war leicht verständlich.​ 


Der Zusammenbau war schnell und einfach erledigt. Einfach die 2 Teile miteinander verschrauben und das Hotend einschieben. Danach die Lagerräder einstellen, die Riemen durch das versetzen des Motors spannen und alles verkabeln. Fertig. 

Die Langlöcher, welche es erlauben den Motor zu versetzen sind meiner Meinung nach nicht lang genug, um den Riemen längerfristig ordentlich zu spannen.


Der gesamte Aufbau hat bis zu diesem Punkt knapp eine Viertelstunde gedauert.


Anet ET4 Probleme


​Doch nun kommen wir zu den Schattenseiten dieses Druckers und die gibt es leider zuhauf:


Möchte man die SD Karte laden muss der Drucker komplett neu gestartet werden. Dies ist erwähnenswert, aber kein Weltuntergang.


Nerviger sind allerdings einige Konzeptfehler:

Zum Beispiel hat die Z-Achse ihren Endschalter oben statt unten, weswegen der Drucker Ewigkeiten braucht um sich zu kalibrieren. Jetzt mal ehrlich. Was hat man sich dabei gedacht? Um einen Druck zu starten Fährt der Drucker dümmsten Falls von Unten ganz nach oben, um dann noch mal nach unten zu fahren. Bricht man dann einen Druck ab, geht das ganze Spiel wieder von vorne los. Ich verstehe es nicht…


Nachdem der Drucker nach einem Stromausfall einen Druck fortsetzen möchte homed er sich brav, fährt dann aber mit einem Schneckentempo zur letzten Position und hält diese Geschwindigkeit, bis die Feedrate im Gcode wieder angepasst wird. Dies ist sehr nervig in Kombination mit dem Z Endstop Problem. Ich durfte bei dem Test 4 Minuten warten bis der Drucker wieder auf der richtigen Position war.


Zudem muss man auch bedenken, dass der PTFE Schlauch und die Kabelzuleitung im Homingzustand extrem gestresst und gebogen werden. Das kann und wird auch wahrscheinlich später zu Problemen führen.


Nachdem der Drucker nun alle Endschalter berührt hat und das Homing eigentlich vorbei ist fahren X und Y eigenartigerweise sehr langsam an eine extrem merkwürdige Position. Dies bedeutet: Nicht nur wegen dem, für mich nicht nachvollziehbaren Z-Endschalter Design, sondern auch wegen dumm eingespeicherten Endpositionen dauert das Homen so lange, dass ich währenddessen einen Kaffee machen konnte.


Auch das Flachbandkabel, welches links an einen Unterverteiler an der X Achse angeschlossen wird, birgt seine Probleme mit sich. Zum Beispiel knickt das Kabel zwangsläufig immer nach unten ab, was den Port und das Kabel stresst und auch weitere Unschönheiten mit sich zog. Mir ist es während den Tests schon zum Beispiel mehrmals passiert, dass sich das Kabel an den Druckbettstellschrauben verhakte.


Übersetzungsfehler sind auch zu finden.

Wie lange kann man 3D Drucker produzieren und dabei den Unterschied zwischen “Extrude” und “Retract” nicht verstehen? Sorry aber das ist einfach nur peinlich.


Das größte Problem, welches ich mit diesem Drucker habe, ist allerdings der Fakt das die Firmware komplett selbst entwickelt wurde, closed source und buggy ist und absolut minimalistisch gehalten.


So schickt der Drucker an Druckserver und Slicer schlicht keine Filament Runout Nachricht. Das Filament Runout Sensor funktioniert also nur, wenn man über die SD-Karte druckt.


Auch unterstützt der Drucker zwar Auto Bed Leveling, kennt aber kein G29 GCode Kommando. Glückwunsch, Anet!


Druckserver wie Repetier Server/Octoprint bringen das Gerät zum Stottern und falls der Anet ET4 von der SD-Karte druckt, allerdings gleichzeitig über USB verbunden mit einem Computer verbunden ist, hat das Gerät mysteriöse Positionsaussetzer.


Alles in allem: Druckserver richtig und effektiv zu nutzen kann man aktuell vergessen. Sehr Schade.


Druckqualität


​Und jetzt mal Schluss mit dem Gemecker und endlich was Gutes:


Out of the Box kommt (bei mir) ein sehr gutes Druckbild zustande.


Die Haftung auf dem Druckbett aus Glas ist unglaublich gut. Dank der ABL-Funktion ist die Haftungsproblematik deutlich geringer als bei anderen Druckern in der Preisklasse ohne diese Funktion.


Wie bei allen FFF/FDM-Druckern gilt hier auch: Die Slicer Einstellungen müssen passen. Ich habe zum Testen den allseits bewährten PrusaSlicer benutzt. Mit nur wenigen Abweichungen von den Standardeinstellungen lieferte die Maschine eine sehr gute Qualität ab.


Das beigelegt Filament allerdings ist nicht nur viel zu wenig für zum Testen und von der Qualität müssen wir auch nicht reden.

Black Panther Büste

​Fazit:


​Trotz einer guten Ausstattung und einem ordentlichen Druckbild ist das Fazit des ET4 sehr zwiespältig.


Ohne einige Nachbesserungen und Abstrichen ist der Drucker letztlich nur teurer, schön aussehender Schrott.


Wer seinen Drucker als Werkzeug betrachtet und langfristig frustfreier arbeiten will, sollte sich einen anderen Drucker suchen. Für Anfänger ist der ET4 deutlich schlechter geeignet als andere Drucker derselben Preiskategorie.


Der berühmte Creality Ender 3 oder Anycubic i3 Mega haben zwar eine etwas schlechtere Ausstattung und sind nicht so schick, funktionieren aber größtenteils makellos und sind ausgereifter.


Wer sich mit 3D-Druck auskennt und weiß, worauf man achten muss, der bekommt mit dem ET4 einen verhältnismäßig guten und gut ausgestatteten FDM-Drucker zu einem fairen Preis. Wer 3D-Druck als Hobby betrachtet und keine Angst vorm Schrauben hat, der kann beim ​​ET4 (mit Bedacht) zugreifen.

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